Manifest Zürcher Kunst

Zürichs bildende Kunst droht ins Abseits und in Vergessenheit zu geraten; mehrere Lebenswerke sind gefährdet und könnten gar einmal vernichtet werden, wie zum Beispiel das Geschaffene von Trudi Demut, Otto Müller, anderen Wuhrsträsslern sowie von vielen weiteren Künstlern und Künstlerinnen, deren Schaffen meist weit über die Landesgrenze hinausstrahlt. Bereits sind einige Nachlässe verloren gegangen und weitere sind gefährdet. So kann es nicht weitergehen. Es ist nun dringende Pflicht, zu retten, was noch gerettet werden kann und weiteren Verlusten muss vorgebeugt werden. Also braucht es nun eine schwungvolle Bewegung und eine tatkräftige Rettungsaktion.

Deshalb dieser Aufruf in zehn Thesen:

  1. Die Zürcher Kunst des 20. Jahrhunderts muss manifester werden. Darum dieses Manifest.
  2. Die Zürcher Kunst, die Zürcher Künstler brauchen endlich ihren angemessenen Raum. Dieser Raum wird auch Nachlässe und Nachlass-Stiftungen beherbergen. Teile der Werke sollen verkäuflich sein.
  3. Angesichts der zunehmenden „Internationalisierung" der Stadt Zürich und ihres Kunstbetriebs ist das „Lokale" als Basis städtischen Lebens ebenso zu pflegen und zu fördern.
  4. Das „Lokale" ist dem „Internationalen" IMMER ebenbürtig.
  5. Da das Zürcher Kunsthaus die Rolle des lokalen Bewahrens, Hütens und Förderns nicht ausfüllen kann oder will, das Helmhaus andere Aufgaben hat und andere Institutionen dafür nicht in Frage kommen, ist das MANIFEST ZÜRCHER KUNST und sein Projekt ART DOCK ZÜRICH eine Aufgabe der Stadt und ins Präsidial-Departement einzubinden. Sonst droht unserem kulturellen Erbe die Vernichtung in der Kehrichtverbrennung „Hagenholz".
  6. Die Finanzierung soll gemischt-wirtschaftlich sein, ein Trägerverein vereinigt die öffentliche Hand (Stadt und Kanton Zürich) sowie Institutionen und Sponsoren wie etwa die Zürcher Kantonalbank, Bank Vontobel etc. sowie private Mäzene, Gönner als auch Stiftungen und Sammler.
  7. Das MANIFEST ZÜRCHER KUNST verlangt die Sicherung und Rettung angefallener oder bald anfallender Nachlässe und bestehender Stiftungs-Nachlässe, die autonom bleiben können. Das Projekt ART DOCK ZÜRICH organisiert Ausstellungen, Verkäufe, Auktionen und ist für Dokumentation und Lagerung besorgt.
  8. Das Projekt ART DOCK ZÜRICH versammelt die Nachlass-Stiftungen und Nachlässe namhafter Zürcher Künstler, die massgebend zur Geschichte der Moderne in unserer Region beigetragen haben. Auch aussergewöhnliche Werkgruppen und Nachlässe, die einen besonderen Bezug zu Zürich aufweisen, können angedockt werden.
  9. Das Gründer-Komitee setzt sich dafür ein, dass der Trägerverein und sein Patronat gegründet werden. Ein Kuratoriums-Gremium wird Programme ausarbeiten und das ART DOCK ZÜRICH künstlerisch betreuen.
  10. Es braucht rund tausend Quadratmeter urbanen Raum für Ausstellungen und Betreuung, dazu noch Depots für Nachlässe und Archive. Die Kommunikation erfolgt über ein interaktives Internetportal, im Weiteren erscheinen periodisch Publikationen.

Zürich, 01. Dez. 2012, rev. 08. Feb. 2013 – Dieter Bachmann, Ralph Baenziger, Fritz Billeter

 

AUSBLICK
Heute bleibt nur zu hoffen, dass die rollende Bewegung des Manifests Zürcher Kunst die Rettungsaktionen rasch aufzugleisen vermöge, damit der blockierte Kulturgüterzug seine vom Untergang bedrohte Fracht bald vom Güterbahnhof in leere Güter-Zeughäuser überführen kann. Dass also bald ein erstes Art Dock entstehe! 

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